Regionale Geschichte – Kötzschau

Der Gasthof Kötzschau

Mit diesem Artikel möchten wir gern die Frage beantworten, was unserem Heimatmuseum der „Heimatstube Kötzschau“ als Entstehungsgrundlage diente.

Die Anfänge des Gasthofes Kötzschau liegen auf dem ehemaligen Kötzschauer Salinengelände. Die sogenannte Kotschenke diente zum damaligen Zeitpunkt der Versorgung der Salinearbeiter und wurde zwischen dem 1. April 1836 bis zum 31. März 1859 durch Adolf Friedrich Gebhardt aus Halle gepachtet.

[4] Der Pachtvertrag der Kotschenke wurde anschließend durch Adolf Blume (I), dem Schwiegersohn des Ehepaars Gebhardt und dessen Ehefrau Erdmuthe Pauline, geb. Gebhardt, bis zum 31.03.1862 weitergeführt. In diesem Zeitraum erfolgte die Abwicklung der Saline Teuditz- Kötzschau aufgrund Insolvenz, weshalb Adolf Blume im Oktober 1862 den Gasthof Kötzschau von Paul Runkewitz erwarb. Dieser Paul Runkewitz hatte den Gasthof Kötzschau wahrscheinlich im Jahr 1840 vom damaligen Rittergutsbesitzer Julius von Burkersroda (1805 – 1872) erworben. [4] In diesem Zeitrahmen durfte, lt. Pf. Pfeil, ausschließlich der im Rittergut – auf dem damaligen Weinberg (dem jetzigen südlichen Teil des Friedhofes) – produzierte Wein in der Schenke „verabreicht“ werden, was genauso für das im Rittergut gebraute Bier galt. [1]
Im weiteren Verlauf der Geschichte im Jahr 1893 übernahmen Adolf Blumes (I) Neffe Adolf Blume (II), der im Leipziger Hotel „de Russie“ den Kelnerberuf erlernte und seine Frau Anna geb. Sieler den Gasthof Kötzschau. [4] Die Tochter des Ehepaares Ella heiratete 1920 Alwin Sack – beide führten den Gasthof zwischen dem 1. Mai 1923 und 31. März 1963 nunmehr in 4. Generation als Familienbetrieb fort.

1963 führten Gerhard und Luci Schenkel den Hof bis zum 1. August 1968. Bodo Sturm und seine Frau Irene, geb. Sack den Gasthof führten und bewirtschafteten diesen bis zur Schließung am 25. April 1994.

Der Gasthof lag, bis ins 20. Jahrhundert, nicht nur geographisch im Zentrum des Ortes Kötzschau am damaligen Dorfplatz, jetzt Ernst-Thälmann-Platz, sondern auch gesellschaftlich in der Mitte der ortsansässigen und näheren Bevölkerung. Dieser sogenannte Schenkplatz hatte dabei mehrere Funktionen. Er diente zu der, von Friedrich dem Großen (1712-1786) eingeführten, Musterung von Pferden durch Veterinär-Ärzte auf ihre Tauglichkeit zum Einsatz im Kriegsfalle. Weiterhin erfolgten von dort aus die Verteilung von Soldaten in Privatquartiere, sowie der Abmarsch nach dem vorherigen üblichen Manöverball organisiert.

In der späteren Zeitgeschichte waren auf dem Platz die jährlich stattfindenden Kinderfeste mit Schaustellern, Karussells und Luftschaukeln situiert. Des Weiteren wurde der Platz ebenso für Feuerwehrübungen genutzt. [3] Im Gasthof Kötzschau selbst fanden Winterbälle, Osterfeierlichkeiten, Erntefeste, Kirmes, Pfingstbiere oder der jährliche Silvesterball statt. Besondere Veranstaltungen waren und sind dabei gesellschaftlich angesehene Hochzeiten, welche ebenso eine besondere Stellung in den damaligen Comisbüchern darstellten.

Die Gastwirtschaft erforderte Ende des 19. Jhdt. die Erweiterung des Tanzsaals, was mit der Einweihungsfeier am 24. August 1890 geschah. [3] Die Moderne zog mit der elektrische Anlage in den Gasthof ein, brannte man bisher Kerzen zu Beleuchtungszwecken an erhellte nun elektrisches Licht den Gasthof. Die Anlagen wurden durch das Elektrizitätswerk Schumann in Leipzig Plagwitz für einen Gesamtwert mit 1130 Mark im Jahre 1910 geliefert und beinhalteten u. a. eine Freileitung 25 qmm, Verteiler aus Marmor, 47 Metallfadenglühlampen zu einem Einzelpreis zwischen 2 und 3 Mark und weiteren Komponenten. Der erforderliche Strom wurde dabei durch einen Dieselmotor, welcher mit Benzol betrieben wurde, in Verbindung mit einem Dynamo umgewandelt [5].
Zahlreiche Vereinsfeiern boten den jeweiligen Mitgliedern wie etwa dem Turnverein, dem Gesangsverein, der Landwehrverein, dem Radfahrerverein, dem Bienenzüchterverein, dem Handwerkerverein, dem Stiftungsball der Gesellschaft Concordia, der Jagdgesellschaft des Herrn Amtmann Eisfeld oder dem Bauernverein Geselligkeiten. [2] Seit den 1950er Jahren fanden weiterhin Jugendweihen, Jugendklub-, LPG-Veranstaltungen, Tanz-Tees oder Rentnerfeiern statt. [3] Der Saal war dabei bis 1980 durchgängig in Betrieb. [3] Über einzelne Feiern berichten uns die Komisbücher des Gasthofes, verschiedene Einladungen zu Bällen oder Konzerten. So feierte der „Landwirtschaftliche[ ] Verein zu Kötschau“ am 23. Januar 1896 einen Stiftungs-Ball – die Speisen-Folge war Ochsenschwanz-Suppe, Allerlei mit Zunge, Karpfen blau mit Butter, ein Lendenstück mit Champignongsauce, Fürst Pückler, Butter und Käse. Angebotene Weine waren für 2 Mark 50 Pfennige u. a. Rüdesheimer oder Winkler Hasensprung. „Roth-Weine“ Cantenac Gondat oder St. Estephè. Ebenso wurde Champagner der Marke „Mercer & Co.“ für 5 Mark angeboten.

Insofern wurde reges regionales buntes gesellschaftliches Leben innerhalb und außerhalb von Vereinen anhand der dokumentierten Festlichkeiten beschrieben, was anhand der zu den jeweiligen Zeitpunkten vorliegenden Umstände – vielzählige Kriege, Hungersnöte, mehrere Regime, Inflation, Massenkrankheiten – im Verhältnis mit unseren heutigen Werten einen hohen Respekt zollt. Das Ende des Gasthofes Kötzschau war im Juli 1996 gekommen, als das Ehepaar Bodo und Irene Sturm sich zur wohl verdienten Ruhe setzten und den Gasthof verkauften. Im Zuge des Verkaufes spendete das Ehepaar der Gemeinde Kötzschau die im ehemaligen Gasthof ausgestellten historische Dokumente und Objekte, die das ansässige Vereinsleben über mehr als ein Jahrhundert hinweg dokumentieren [4] und unserem Heimatmuseum der „Heimatstube Kötzschau“ als Entstehungsgrundlage dienten.

Quellen:

1] Pfarrer Pfeil, F. O.: „Chronik über Kötzschau“ in „Neue Mitteilungen aus dem Gebiet historischantiquarischer
Forschungen. Im Namen des mi der Königl. Universität Halle-Wittenberg
verbundenen Thüringisch-Sächsischen Vereins für Erforschung des väterländischen Altertums
und Erhaltung seiner Denkmale“ Hrsg. Herzberg, G.; Band XXII, Halle, 1906, S. 1 – 69, 113-176,
257-328.
[2] Komisbuch des Gasthofes Kötzschau, diverse Ausgaben 1890 bis 1945
[3] Aufzeichnungen Sturm, I.
[4] Aufzeichnungen Schmidt, O.
[5] Schumanns Elektrizitätswerk „Kosten-Anschlag eine elektrische Beleuchtungsanlage für Herrn
A. Blume, Gasthofbesitzer in Kötzschau“ vom 4. Juni 1910, Leipzig Plagwitz