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Beiträge zu jüngsten Entwicklungen unserer Heimatstube

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Heimatmuseum „Heimatstube Kötzschau“ im Januar 2023

Kurrentschrift – ein Projekt zur Transkription eines Grundbuches aus der „Deutschen Kurrentschrift“ in das „Neudeutsche Schriftbild“

Die deutsche Schrift, wie sie im Ausland bis Mitte des 20 Jhdt. bezeichnet wurde, ist die Kurrentschrift.
„Kurrent“ aus dem lateinischen bedeutet so viel wie „laufend“. Die Schriftform selbst stellt sich dabei, je nach zeitlicher und regionaler Betrachtung, zum Teil zusätzlich liegend dar.
Sie bildete sich im deutschsprachigem Raum aus der gotischen Fraktur seit dem 15. Jhdt. heraus und entwickelte sich sich bis zu den 1940er Jahren lebendig weiter. Ein beispielhaftes Schriftbild um 1900 ist in nachfolgender Abbildung dargestellt.

Abgeleitet von der Kurrentschrift wurde 1913 durch den Berliner Pädagogen und Grafiker Ludwig Sütterlin (1865 – 1917) die Sütterlinschrift geschaffen und in Schulen der deutschen Ländern bis 1934 eingeführt [2]. Das resultierende Schriftbild sollte dabei eine klarere im weitesten Sinne einfacher erlernbare abgerundetere Schriftart im Vergleich zur deutschen Kurrentschrift ausprägen [2]. Der am 01. September 1941 verbriefte Normalschrifterlass durch das Reichsministerium für Wissenschaft, Erziehung und Volksbildung führte im weiteren zeitlichen Verlauf zum Ende der Kurrent- bzw. Sütterlinschrift.
Vorausgegangen war die Abschaffung der ‚gotischen Fraktur’ in Büchern hin zur Schriftart ‚Antiqua’ durch einen Erlass von Martin Bormann am 3. Januar 1941. Begründet wurde dies seitens der NSDAP Funktionäre damit, dass während der Einführung des Buchdruckes in Deutschland eine große Anzahl der Druckereien in jüdischen Besitz kamen und auf dieser Basis die sogenannten „Schwabacher Judenlettern“, bzw. gotische Fraktur, eingeführt wurde [3].

Das Korrent, welches sich aus der gotischen Fraktur ursprünglich ableitete, wurde daher analog der Druckschrift [1] ebenso abgeschafft [3].
Resultierend waren die Druckschrift „Antiqua“ sowie die bis heute geschriebene Neudeutsche Schulausgangschrift in Lateinischer Art bzw. in Schreibschriftart Antiqua bzw. Antiqua-Kursiv. Zur Identifizierung von Texten aus der Zeit vor 1940 insbesondere bis Ende des 19. Jhrdt. ist die Kenntnis über das Sütterlin bzw. das Kurrent notwendig, weshalb deren zeitliches Halbwertszeit zwar gesetzlich geregelt, jedoch in Kreisen der wissenschaftlichen bzw. regionalen Geschichtsforschung, weil aktiv geschrieben und gelesen, nicht besiegelt werden kann.
Sofern betreibt das Heimatmuseums „Heimatstube Kötzschau“ ein Teilprojekt zur „Kurrentschrift“ – Transcription eines Grundbuches. Im Rahmen dieses Projektes des Heimatmuseums „Heimatstube Kötzschau“ wird derzeit ein Grundbuch in das „Neudeutsche Schriftbild“ transcripiert. Der Projektzeitraum ist 2021 bis 2023.

Das Schriftdokument „Grundbuch Witzschersdorf“ besteht aus ca. 80 Seiten in deutscher Kurrentschrift geschriebenem Text. Die vorliegende Papierantiquarie gibt dabei Daten zwischen 1720 und 1850 an, weshalb von diesem Zeitrahmen der Erstellung ausgegangen werden kann. Inhaltlich beschreibt es neben der üblichen Informationen über Grundstückseigentum ebenso die Erbfolgeregelungen. So wird die Übergabe der Besitztümer als Fideikomiss (vgl. einer heutigen Familienstiftung ähnlich) in 26§ geregelt. Der derzeitige Stand betrifft 70 Seiten, welche zum größten Anteil mit wenigen Ausnahmen in Form von Worten oder kurzen Wortgruppen transcripiert werden konnten.

Die nachfolgende Abbildung stellt einen beispielhaften Auszug sowie in der Abbildungsunterschrift den textlichen Zusammenhang in Neudeutscher Druckschrift dar. Während der Umschreibung sind dabei nicht ausschließlich die einzelnen Buchstaben zu entziffern sondern ebenso die zum Zeitpunkt der Erstellung des Schriftstückes vorliegende Wortschatz, welcher in unserem heutigen Sprachgebrauch zum Teil verdrängte Wörter enthielt. Darunter finden sich u. a. Worte wie „Ruthen“ – ein altes (Flächen)maß für Acker und Wiesen oder ein „Pertinenzstück“ – ein Teil eines größeren unbeweglichen Gesamtgutes.
Des Weiteren ist ebenso das Verständnis zu den zum Datierungszeitpunkt erstellen Formulierungen und Satzbildungen immanent. Die Aufschlüsse derartiger Papierantiquitäten, wie dieses vorliegende Grundbuch, geben Informationen zu dem Leben vor mehr als 150 Jahren in unserer Region und dienen wiederum Lücken in unserem Verständnis bzgl. unserer Vorfahren mindesten lokalhistorisch zu schließen.

Auszug aus Grundbuch Witzschersdorf transcribiert aus Kurrent in Neudeutsche Schrift:
.. §21 Da ich auf vielfältige Art überzeugt, daß bei Verachtung deren Rittergüter am Ende der dadurch entstehende ohnausbleibliche Nachtheil den scheinbaren Vortheil überwieget, so ordne [ich] hiermit ausdrücklich das wenigstens[?] niemals das Rittergut …“[4]

Nach Digitalisierung des transcribierten Werkes soll dieses als Folio gedruckt werden und durch Sie, währte Leser, in den Räumen des Heimatmuseums „Heimatstube Kötzschau“ voraussichtlich in der zweiten Jahreshälfte 2023 in Augenschein genommen werden.

Sollten Sie Hilfe benötigen bei ähnlichen Papierantiquitäten oder möchten Sie Ihre Familienerbstücke der Heimatstube zur Verfügung stellen, kontaktieren Sie uns gern.
Ihnen eine gute und vor allem gesunde Zeit.

Andreas Arms Marc J. Poppe
Leiter und Stellvertretender Leiter des
Heimatmuseums „Heimatstube Kötzschau“

Sollten Sie interessiert sein, an unserer Heimatgeschichte oder möchten Sie Geschichten unsere Heimat betreffend (weiter)erzählen oder sich darüber hinaus selbst engagieren, bitten wir Sie, sich bei uns vertrauensvoll zu melden.

Quellen:

[1] Loseblattsammlung deutscher Schriftarten „Gotische Kurrentschrift XVI – XVIII Jhdt.“
[2] http://www.kurrent.de
[3] Normalschrifterlass des RMfWEV vom 1. September 1941
[4] Grundbuch Rittergut Fidekomiss Witzschersdorf
[5] https://regionalsprache.de/Data/Sites/1/media/

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Ein historisches Grundbuch für die Heimatstube Kötzschau

Am 17. Oktober 2020 waren Hans-Henning von Wurmb, seine Schwester Uta Sievers, sowie Karola und Schwester Elke Martinsohn gemeinsam zur Heimatstube gekommen, um einige Unterlagen des letzten Besitzers vom Rittergut Witzschersdorf Wolfdietrich Wurmb von Zinck an Herrn Arms, den Ortschronisten und Museumsleiter der Heimatstube persönlich, zu Guten Händen zu übergeben. In der „guten Stube“ des Museums in Kötzschau nahmen Hans- Henning von Wurmb, Herr Andreas Arms und Marc J. Poppe Platz.

Die übergebenen Unterlagen bestehen aus „über die letzten 75 Jahre gesammelten Dokumenten des Gutes betreffend“ so v. Wurmb. Darunter einige Briefe, Bauzeichnungen sowie einem Grundbuch mit Eintragungen seit etwa Mitte des 19. Jhdts. Carola und Elke Martinsohn teilten mit, dass einige der Unterlagen aus dem zu Teilen eingestürzten Gut nach dem Bombenangriff vom 5. April 1945 auf Witzschersdorf, welchem 36 Menschen zum Opfer fielen, gerettet werden konnten.

Die Unterlagen wurden anschließend durch deren Vater Werner Martinsohn seit Ende des Zweiten Weltkrieges, aus Angst vor Plünderung, auf dem Heuboden der Familie in einem alten Koffer versteckt. Dort überstanden sie wohl behütet die DDR-Zeit ohne nennenswerte Schäden genommen zu haben. Witzschersdorf liegt im ehemaligen Amt Merseburg des Merseburger Stiftes, ursprünglich slawischen Gebiet, später Kursächsisch und gehörte seit 1815 bis 1945 der Preußischen Provinz Sachsen an. Zum ersten Mal wurde Wizersdorph’ im Jahre 1285 im Rahmen des Verkaufes einiger Länderreien zwischen Markgraf Friedrich zu Landsberg an Bischof Heinrich zu Merseburg beschrieben. Das Rittergut Witzschersdorf selbst wurde in den historischen Quellen zuerst im 15 Jhdt. genannt.

Eine Familie von Obschelwitz besaß es ab 1469 nachweislich bis 1605. 1689 kam es an die von Uechtritz. Anschließend erlangte eine Familie von Hayn das Anwesen, welche es 1763 an den Domherrn Gottlieb von Zinck verkaufte – dieser starb kinderlos, neun Jahre nach Vollendung des neuen Gutshofes.

1780 hatte dieser einen Erbvertrag zu Gunsten des Wolf Heinrich von Wurmb erstellt wodurch er damit der Familie von Wurmb sein gesamtes Vermögen vermachte. Der spätere Domdekan von Naumburg Wolf Heinrich von Wurmb wurde somit 1786 der erste Wurmb im Besitz des Gutes und nannte sich fortan aufgrund des Erbvertrages „Wurmb von Zinck“. Auf der Farblithografie von Albert und Duncker ist das Rittergut Witzschersdorf ca. 100 Jahre später abgebildet. Im Vordergrund rechts der Lithografie das Gutshaus, im Hintergrund der Glockenturm mit Gefängnis.

Zwischen 1937 und April 1945 bewohnte der letzte Gutsbesitzer der ‚Baron’ genannte Volkmar Wurmb von Zinck das Rittergut Witzschersdorf. Sein ältester Sohn Wolfdietrich, zu dieser Zeit in amerikanischer später französischer Gefangenschaft, war bis zur Enteignung der Familie im September 1945 der letzte Besitzer.

Nach zweistündiger erster Begutachtung der Unterlagen, einem breiten Gedankenaustausch und abschließendem Rundgang durch das Museum fiel Hans-Henning von Wurmb kurz vor der  Verabschiedung noch ein, dass „die Kastanienallee des Gutspark “ — dem jetzigen Witzschersdorfer Wald „und die Blutbuche“, welche in diesem steht, seinem Vater Wolfdietrich Wurmb von Zinck – dem mit 92 Jahren im Jahr 2018 verstorbenen letzten Gutsbesitzers „sehr am Herzen lagen“ und, dass er sich über das Interesse und die Entwicklungen der jüngsten Zeit sehr erfreut hätte.
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Dank gilt den Familien Martinsohn und der von Wurmb, welche ein Stück Witzschersdorfer Geschichte zurück in seine Heimat kommen ließen.
Marc J. Poppe
Witzschersdorf im Oktober 2020

Sollten Sie interessiert sein, an unserer Heimatgeschichte oder möchten Sie Geschichten unserer Heimat betreffend (weiter)erzählen oder sich darüber hinaus selbst engagieren wollen, möchten wir Sie bitten, sich bei der Heimatstube Kötzschau zu melden.

Die historischen Darstellungen sind konsolidierte aus den zugrundegelegten Quellen –

(1) Brückner, J.; Erb, A.; Volkmar, C.: Adelsarchive im Landeshauptarchiv Sachsen-Anhalt – Übersicht über die Bestände; Selbstverlag, Magdeburg 2012
(2) Wurmb v. Zinck, Wolfdietrich: „Geschichte des Schlosses Witzschersdorf“ aus v. Wurmbscher Familienverband Chronik, Darlaten, 21 Oktober 2004 https://vonwurmb.de/chronik/ witzschersdorf.htm
(3) Grundbuch über das im Herzogtum Sachsen und dessen Merseburger Kreise gelegene Familien Fidei Commiß und Allodial Rittergut Witzschersdorf – Abschrift No. 9, 19. Jhdt