Regionale Geschichte – Witzschersdorf

Witzschersdorf und sein Rittergut

Witzschersdorf liegt geografisch in der Leipziger Tieflandsbucht und gehört seit dem 01. Januar 2010 der kommunalen Verwaltungsgemeinschaft Leuna-Kötzschau des im 2007 gegründeten Saalekreis mit dem Landratsitz Merseburg an. Zum ersten Mal wurde das im ursprünglich slawischen Gebiet gelegene Wizersdorph’ im Jahre 1285 im Rahmen des Verkaufes einiger Länderreien zwischen Markgraf Friedrich zu Landsberg an Bischof Heinrich zu Merseburg beschrieben. Witzschersdorf gehörte im Spätmittelalter zum Hochstift Merseburg mit seinem Amt Lützen.

Im Jahre 1561 wurde das Merseburger Stift kursächsisches Nebenland und erlangte aufgrund des testamentarischen Willens des sächsischen Kurfürsten Johann Georg I. als eines neben Weißenfels und Zeitz Sekundogeniturfürstentümern1 ab 1657 Eigenständigkeit. Sachsen-Merseburg existierte bis 1738 und fiel anschließend aufgrund der nicht fortgesetzten Stammeslinie an das Kurfürstentum Sachsen zurück. Seit der verlorenen Völkerschlacht bei Leipzig und dem daraufhin folgenden Wiener Kongress unter Führung von Fürst Metternich gingen Gebiete des 1806 unter Friedrich August des Gerechten geführten Königreiches Sachsen u. a. auch die zum Merseburg gehörenden Gebiete 1815 an die siegreiche preußische Monarchie über. Unter dessen Verantwortung wurde es als preußische Provinz Sachsen bis 1945 geführt.

Nach Ende des Zweiten Weltkrieges wurde es kurzzeitig durch den am 28. Februar 1947 gegründeten Freistaat Sachsen verwaltet, mit Gründung der Deutschen Demokratischen Republik am 07. Oktober 1949 und der 1952 durchgeführten Verwaltungsreform neugeordneten Bezirke wurde Witzschersdorf dem Kreis Merseburg zugeordnet. Seit dem 03. Oktober 1990 und der mit der Wiedervereinigung einhergehenden Auflösung der Deutschen Demokratischen Republik wurde das Gebiet dem 1992 neu gegründeten Bundesland Sachsen-Anhalt – und dem darin befindlichen Kreis Merseburg in der späteren Gebietsreform dem Kreis Merseburg-Querfurt (1994 – 2007) zugeordnet.

Das Rittergut Witzschersdorf wird in den historischen Quellen zuerst im 15 Jhdt., im Besitz der Familie von Zweymen (1436), genannt. Eine Familie von Obschelwitz besaß es ab 1469 nachweislich bis 1605. 1689 kam es an die von Uechtritz. Anschließend erlangte eine Familie von Hayn das Anwesen, welche es 1763 an den Domherrn Gottlieb von Zinck verkaufte – dieser starb kinderlos, neun Jahre nach Vollendung des neuen Gutshofes. 1780 hatte dieser einen Erbvertrag zu Gunsten des Wolf Heinrich von Wurmb erstellt, wodurch er damit der Familie von Wurmb sein gesamtes Vermögen vermachte.

Der spätere Domdekan von Naumburg Wolf Heinrich von Wurmb wurde somit 1786 der erste Wurmb im Besitz des Gutes und nannte sich fortan aufgrund des Erbvertrages „Wurmb von Zinck“. Auf der Farblithografie von Albert und Duncker ist das Rittergut Witzschersdorf ca. 100 Jahre später abgebildet. Seit Ende des zweiten Weltkrieges wurden unter der Bodenreform „Junkerland in Bauernhand“ zwischen 1945 und 1949 Großgrundbesitzer enteignet und Grundbesitz geteilt. Ebenso wurden im gesamten Gebiet der sowjetischen Besatzungszone Güter geteilt, umgebaut, teilweise abgerissen oder gänzlich zerstört. Was auf der einen Seite die Möglichkeit bot, jungen Bauernfamilien oder Flüchtlingen ein genügsames Leben zu verschaffen führte auf der anderen Seite zu nachhaltigen kulturellen und wirtschaftlichen Veränderungen innerhalb der Gesellschaft.

Quellen:

1 Sekundogenitur: secundus „folgend, zweiter“ und genitus „geboren“ ist die Nebenlinie, welche von einem Zweit- oder Nachgeborenen in einem Adelsgeschlecht begründet wird.
Die historischen Darstellungen sind konsolidierte aus den zugrundegelegten Quellen – (1) Brückner, J.; Erb, A.; Volkmar, C.: Adelsarchive im Landeshauptarchiv Sachsen-Anhalt – Übersicht über die Bestände; Selbstverlag, Magdeburg 2012;
(2) Wurmb v. Zinck, Wolfdietrich: „Geschichte des Schlosses Witzschersdorf“ aus v. Wurmbscher Familienverband Chronik, Darlaten, 21 Oktober 2004 https://vonwurmb.de/chronik/ witzschersdorf.htm;
(3) Schattkowsky, M.; Wilde, M. (Hg.): Sachsen und seine Sekundogenituren Die Nebenlinien Weißenfels, Merseburg und Zeitz (1657– 1746), Leipzig 2010
(4) https://www.deutschefotothek.de

(5) Grundbuch über das im Herzogtum Sachsen und dessen Merseburger Kreise gelegene Familien Fidei Commiß und Allodial Rittergut
Witzschersdorf – Abschrift No. 9, 19. Jhdt.